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Unsere Begleithundeprüfung

Bei der Begleithundeprüfung wird der Hund auf seine Alltagstauglichkeit überprüft. Die Schwerpunkte liegen hierbei auf Verkehrssicherheit, Sozialverträglichkeit, Unbefangenheit und Gehorsam. Die bestandene Begleithundeprüfung ist Voraussetzung für alle Turniersportarten und weitere Prüfungen.

 

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Warum tun wir uns das an?

Ja genau das haben wir uns auch immer gefragt! Warum zur Hölle tun wir uns das an? Die Begleithundeprüfung ist nämlich kein Zuckerschlecken und wenn wir diese Prüfung nicht fürs Agility gebraucht hätten, hätten wir sie auch nicht gemacht. Die BH-Prüfung kostet echt Nerven und das auch schon beim Training.

Um Agility auf Turnierniveau „betreiben“ zu können muss man die Begleithundeprüfung agbelegt haben. Zuerst wollte ich ja nie auf Turnieren starten, weil unser erstes Fun-Turnier schon ein einschneidendes Erlebnis war. Wenn man aber mit den richtigen Leuten auf die richtigen Turniere fährt, macht es so unglaublich Spaß, dass wir uns dann doch für diesen Weg entschieden hatten.

Training & Vorbereitung

Direkt vorab: Einmal die Woche Training im Verein reicht nicht!Um sich vernünftig auf die BH vorzubereiten sollte man wirklich jeden Spaziergang für kleine Trainingseinheiten nutzen. Wobei bei der Prüfung natürlich alles schief gehen kann und das ganze Training eigentlich für den Popo war. Aber dazu später mehr.
Das allerwichtigste für die BH ist, dass der Hund vernünftig „Bei Fuß“ läuft und das ganze mit und ohne Leine. Wenn das klappt habt ihr schon die halbe Miete. Ebenso wichtig ist die korrekte Grundstellung. Das heißt das der Hund parallel neben euch auf der linken Seite sitzen muss. Auch ein korrekt ausgeführtes „Platz“ muss aus dieser Position einwandfrei funktionieren.
Aber was muss man jetzt alles für Prüfung können und wie läuft so etwas ab?

Teil 1: Sachkundenachweis

Bevor man überhaupt zur BH-Prüfung antreten darf, muss man den Sachkundenachweis machen. Der Sachkundenachweis ist ein schriftlicher Multiple Choice Test, bei dem man wie bei der Führerscheinprüfung die richtigen Antworten ankreuzen muss. Diesen Test kann man bei seinem Tierarzt machen (insofern er dies anbietet) oder beim Ordnungsamt.Wir haben unseren Sachkundenachweis beim Tierarzt gemacht. Der Test ist wirklich simpel und sollte von jedem Hundehalter zu schaffen sein, denn es werden Dinge gefragt wie: Wie verhalten Sie sich, wenn sie mit ihrem Hund an einem Spielplatz vorbeigehen? Wie sichert man den Hund richtig im Auto?Also eigentlich alles eher PillePalle. Man kann natürlich vorher die Bögen üben und durchgehen.

Teil 2: Unbefangenheitsprüfung

Ich muss zugeben: Davor hatte ich am meisten Bammel.

Die Unbefangenheitsprüfung oder auch Identifikation des Hundes ist eigentlich das harmloseste aber für Neli eine RIESEN Herausforderung gewesen. Hier wird eigentlich einfach nur der Chip des Hundes mit einem Lesegerät abgelesen. Ja eigentlich einfach. Aber nicht für einen Spitz, der seit Jahrhunderten in seinen Genen hat, dass Fremde total doof sind und man sich von denen nicht anfassen lässt.

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Im Normalfall läuft es so ab:

– Der Hund sitzt in der Grundstellung neben seinem Hundeführer.

– Der Prüfungsrichter tritt auf das Team zu und Richter und Hundeführer begrüßen sich.

– Der Prüfungsrichter liest in aller Ruhe den Chip des Hundes ab.

– Der Hund muss dabei ruhig und friedlich neben dem HF sitzen bleiben.

Wie lief es bei uns ab?

– Neli sitzt in der Grundstellung neben mir.

– Der Prüfungsrichter kommt auf uns zu und beugt sich direkt zu Neli runter.

– Neli sitzt natürlich NICHT mehr in der Grundstellung neben mir sondern hat sich hinter mir versteckt.

– Neli weicht immer wieder dem Richter aus bis dieser mir die Erlaubnis erteilt Neli festzuhalten.

Und da habe ich gedacht: Jetzt ist die Prüfung für uns zuende!

Denn ich habe schon die dollsten Horrorgeschichten gehört, dass manche Richter die Prüflinge an dieser Stelle schon durchfallen lassen. Aber da Neli ja zurückgewischen und sich nicht auf den Richter gestürzt hat, ging das wohl so gerade noch durch.

Teil 3: Unterordnung (Laufschema mit Ablage)

Das ist der Teil von dem alles abhängt. Ob man besteht oder nicht!
Hier wird der Gehorsam des Hundes und die Harmonie des Mensch-Hund Teams geprüft.
Man geht immer zu viert (also 2 Teams) auf den Platz. Als erstes muss man sich natürlich beim Prüfer anmelden „Hundeführerin Christine Thelen meldet sich mit Hündin Neli zur Unterordnung der Begleithundeprüfung an“. Ja das muss man wirklich aufsagen!

Während ein Team mit dem Laufschema beginnt, fängt das andere Team mit der Ablage an. Was heißt Ablage? Der Hund wird am anderen Ende des Hundeplatzes ins „Platz“ gebracht und der Mensch muss sich 30 Schritte vom Hund entfernen und mit dem Rücken zum Hund stehen bleiben. Ich sage es euch direkt: Es hat natürlich nicht funktioniert. Neli ist irgendwann aufgestanden und hat sich die Blümchen angeguckt. Zur Krönung hat sie auch noch auf ihre Ablagestelle gepinkelt. Hä? Seit ihr nicht dann durchgefallen? NEIN! Denn der Richter hat es nicht gesehen. Puhh Glück gehabt. Denn normalerweise ist man direkt durchgefallen, wenn der Hund auf den Platz pinkelt. Er hat nur gesehen, dass Neli aufgestanden war, hat mich zur ihr geschickt, ich musste sie anleinen und warten bis das andere Team fertig war. Da kam mir direkt der berühmte Satz in den Sinn: „Das hat die ja noch nie gemacht“. Hat sie tatsächlich nicht aber wenn die Blase drückt…

Nun waren wir mit unserem Laufschema dran!Man bringt den Hund in die Grundstellung und auf Anweisung des Richters darf man starten. Da ich euch jetzt nicht das komplette Laufschema runterbeten will könnt ihr es euch hier anschauen. Ich kann nur sagen, dass es eigentlich ganz gut lief, bis auf das wir bei der Kehrtwende einen Punkt abgezogen bekommen haben, da ich da wohl einen zu großen Bogen gelaufen bin. Bei der Gruppe ist Neli an einer Teilnehmerin stehen geblieben und hat geschnuppert. Sie hat wohl sehr gut gerochen. Auch wieder Pünktchen weg. Beim Absitzen und weggehen fing Neli sich auf einmal an zu putzen und hat sich aber Gott sei Dank NICHT hingelegt. Sonst wären das 0 Punkte gewesen. Er hat es netterweise noch so durchgehen lassen. Beim Ablegen aus der Bewegung hatte Neli die Ohren auf Durchzug und brauchte 3 Kommandos bis sie sich hingelegt hat. Na toll wieder Punkte weg. Dann kam die größte Überraschung: Der Vorsitz! Der Vorsitz hat NIE geklappt. Egal ob wir das auf dem Hundeplatz oder auf dem Spaziergang geübt hatten. Neli wollte sich partout nicht vor mich hinsetzen sondern fand es wohl einfacher sich direkt neben mich zu setzen. Und bei der Prüfung? Hat sie sich doch tatsächlich VOR mich hingesetzt. Ich war so perplex das ich fast vergessen hätte sie danach ins Fuß zu holen. Ob sie gemerkt hat, dass wir gerade die Punkte noch nötig hatten? Jedenfalls war damit das Laufschema beendet und der Richter sagte nur: „Sie dürfen zum Straßenteil antreten“. Und was heißt das? Laufschema BESTANDEN!

Teil 4: Außenteil / Straßenteil

Bei diesem letzten Teil geht es darum den Hund in seiner Alltagstauglichkeit zu prüfen.
Hierfür fährt man zu einem Supermarkt oder einen Ort wo richtig was los ist. Wir sind zu einem nahegelegenen Supermarkt gefahren. Beim Außenteil muss der Hund nicht streng neben einem laufen wie bei der Unterordnung. Er soll entspannt an der Leine gehen. Die gesamte Truppe (naja 5 von 10 Teams haben es in den Außenteil geschafft) marschierte im Gänsemarsch in den Fressnapf wo wir eine Runde gedreht haben. Wieder draußen ging es an klappernden Einkaufswagen, plärrenden Kindern und bescheuert parkenden Autos vorbei. Am hinteren Teil des Parkplatzes mussten wir die Hunde in einer Reihe an Bäumen festbinden und „vereinsamen“. Vereinsamen klingt immer so furchtbar, ist es aber nicht.
Die Hunde wurden angeleint und wir mussten uns ausser Sichtweite des Hundes begeben. Der Richter ist dann ein paar Mal an den Hunden vorbeigejoggt und dicht vorbeigelaufen aber keinen Hund hat es interessiert. Alle waren brav und warteten auf ihre Besitzer. Wir durften zurückkommen und die Hunde von den Bäumen befreien. Und was jetzt?

Herzlichen Glückwunsch!

„Herzlichen Glückwunsch“. Mit diesen Worten und einem festen Händedruck kam der Richter auf jeden zu. Keiner von uns wusste in dem Moment so recht etwas damit anzufangen, bis er unsere Verwirrtheit erkannte und rief „Ja sie haben alle BESTANDEN“.
Mein Gott war ich erleichtert. Ihr könnt euch garnicht vorstellen was für ein riesen Stein mir vom Herzen gefallen ist, als ich diese Worte hörte. Da flossen auch ein paar Tränen. Nicht nur bei mir. Ich knuddelte Neli bis zum Umfallen und alle umarmten und herzten sich! Neli wird seither nur noch von mir mit dem Worten „mein kleiner geprüfter Begleithund“ angesprochen. Man ist ja schon ganz schön Stolz wenn das Hundekind seinen Schulabschluss macht!13423931_1466757970016313_2084608863246195325_n

3 Gedanken zu „Unsere Begleithundeprüfung“

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